Ohne Thiem, Ferrer – Kohli? Aber Kitz bereit für Tennisfest

Die Schaufenster in den Läden sind nett mit Tennisbällen und Schlägern verziert, 1000 Paar Weißwürste wurden fast schon traditionell bei Zeltfestatmosphäre verspeist, beim Training von Wimbledon-Sensationsmann Sebastian Ofner versammelten sich Dutzende Tennisfans neben dem Showcourt und auch sonst drängten sich rund 3800 Personen am Quali-Finaltag auf der Anlage: Die Vorfreude auf die Generali Open in Kitzbühel ist in der ganzen Gamsstadt zu spüren.

Cut liegt sensationell bei 74

Das Teilnehmerfeld kann sich auch durchaus sehen lassen. Washington (obwohl ein 500er-Event) hat den Cut bei 117, Los Cabos in Mexiko bei 133. Und am Fuße des Hahnenkamms liegt der letzte, der mit seinem Ranking in den Hauptbewerb rutschte, mit Bastad-Finalist Dolgopolov auf ATP-Ranking 74. Viele auch höher gereihte Turniere blicken neidisch in die Tiroler Berge.

Thiem spielt lieber in Washington

Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt: Denn einen echten „Ticketseller“ sucht man im Raster der Generali Open vergeblich. Dominic Thiem, Österreichs Nummer eins, wäre mit Sicherheit einer gewesen, der die Massen nach Kitzbühel gezogen hätte. Aber der Schützling von Günter Bresnik schlägt bekanntlich lieber beim zeitgleich stattfindenden Hartplatz-Event in den USA auf. Vor allem weil er in der kommenden Woche beim Masters-1000-Turnier in Montreal antreten muss, ein durchaus nachvollziehbarer Schritt des Niederösterreichers.

Jürgen Melzer fühlt sich nicht fit genug

Mit anderen Spielern, die noch mehr Tennisfans zum größten Freiluftturnier Österreichs gelockt hätten, scheint Turnierdirektor Alex Antonitsch in diesem Jahr besonders Pech zu haben. Jürgen Melzer, der vom Veranstalter bereits eine Wildcard zugesprochen bekam, befindet sich laut eigenen Aussagen nach seiner Verletzung noch nicht in der Form, in der er für ein Heimturnier gerne gewesen wäre und verzichtete auf ein Antreten.

Ferrer leidet mit entzündeter Achillessehne

Ebenfalls mehr als bitter für Kitzbühel: David Ferrer, die ehemalige Nummer drei der Welt, zwickt eine alte Verletzung. „Ich habe einige Matches hintereinander gespielt und kämpfe nun wieder mit meiner entzündeten Achillessehne. Meine Ärzte haben mir angeraten, eine längere Pause einzulegen. Es tut mir sehr leid, dass das bedeutet, Kitzbühel zu verpassen. Ich hoffe aber, in Zukunft einmal beim Turnier aufschlagen zu können“, wurde der Spanier vor wenigen Tagen zitiert.

Kann Kohlschreiber trotz Adduktorenverletzung spielen?

Und nun könnte auch Wahl-Kitzbühel Philipp Kohlschreiber, Generali-Open-Triumphator von 2015, verletzungsbedingt passen müssen. Der Deutsche gab bei seinem Heimturnier in Hamburg vor dem Semifinale wegen einer Adduktorenverletzung auf. Die Auslosung hätte dem Neo-Schützling von Markus Hipfl mit dem Qualifikanten Facundo Bagnis eine durchaus machbare erste Runde beschert, ob er in Kitzbühel aber tatsächlich aufschlagen wird, steht wohl noch in den Sternen. „In den letzten Ballwechseln hat es mir dann zwei, dreimal richtig reingeschossen, und die Muskeln waren absolut dicht. Auf den ersten Bildern ist es kein Riss, aber es war einfach zu gefährlich, um weiterzuspielen. Aus jetziger Sicht ist ein Start in Kitzbühel sehr ungewiss. Ich werde dies aber vor Ort mit den Ärzten klären müssen“, erklärte „Kohli“ noch vor wenigen Tagen in Hamburg.

Wimbledon-Sensation Ofner trifft auf Vorjahresfinalist

Müssen es also andere richten und die Tennisfans in die Metropole der Schönen und Reichen in Ekstase versetzen – zum Beispiel Sebastian Ofner. Der Sensationsmann von Wimbledon, der dank der Absage von Jürgen Melzer in den Genuss der Wildcard kam und sich die schwere Qualifikation somit erspart hat, bekommt aber bereits in der ersten Runde mit Vorjahresfinalist Nikoloz Basilashvili einen harten Brocken vorgesetzt. „Ich kenne sein Spiel eigentlich nur aus dem Fernsehen“, so der Steirer: „Aber ich weiß, dass er eine Wundertüte ist und ein sehr schnelles Spiel spielt. Ich kann aber in jedem Fall frei aufspielen und freue mich auf den ersten Auftritt hier.“

Fognini kommt mit fünften Titel im Gepäck nach Kitz

Aber auch Altmeister Tommy Haas oder Enfant terrible Fabio Fognini könnten die Massen elektrisieren. Vor allem der Jung-Papa aus Italien dürfte mit jeder Menge Selbstvertrauen nach Kitzbühel kommen. Die als Heißsporn bekannte Nummer 31 der Welt holte sich im Schweizer Gstaad nämlich seinen fünften ATP-Titel. Im Finale beendete er das sportliche Märchen von Yannick Hanfmann, der seit seiner Geburt schwerhörig ist, und siegte gegen den deutschen Qualifikanten mit 6:4 und 7:5. Klein Federico, Fogninis und Flavia Pennettas Ende Mai geborener Sohn, wird sich freuen.

Foto: GEPA pictures/ Andreas Pranter

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