Das Wunder von Paris

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Ich gebe zu: Ein kleinwenig neidisch bin ich schon auf die Kollegen, die ab heute beim größten Sandplatzturnier der Welt dabei sind. Es wird zwar vermutlich brütend heiß sein und jede Menge Staub sowie Sand durch die Luft wirbeln – aber auf dem äußerst engen Gelände von Roland Garros kann man die Welt des Tenniszirkus einfach so richtig aufsaugen.

31.5.2009 – ein zunächst ganz normaler Tag bei den French Open

Im Jahr 2009 hatte ich selbst das Vergnügen und durften am Court Philippe Chatrier in Paris Platz nehmen. Nach einem netten Mail an einen französischen Provinzverband, flatterte mir kurze Zeit später ein Ticket der Kategorie 1 für den 31. Mai 2009 für erschwingliche 75 Euro ins Haus. Es war der achte Tag der French Open. Vier Achtelfinale-Spiele standen am Center Court auf dem Programm. Und obwohl es kein Finaltag war, tausende Touristen wie jeden Tag den Eifelturm stürmten oder im Louvre einen Blick auf die Mona Lisa erhaschen wollten, ging der Tag in die Geschichte ein. Damals erahnten aber wohl nur die wenigsten im ausverkauften Stadion, dass sie gerade Zeugen eines sporthistorischen Ereignisses geworden sind.

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Nachdem der an Nummer 12 gesetzte Chilene Fernando Gonzalez dem Rumänen Victor Hanescu mit 6-2, 6-4, 6-2 nicht den Hauch einer Chance ließ, betrat die damalige Weltranglisten-Erste Dinara Safina den Center Court und machte mit der Lokalmatadorin Aravane Rezai mit 6-1, 6-0 ebenfalls kurzen Prozess. Es war der Moment gekommen, auf den alle im weiten Rund gewartet haben. Sandplatzkönig Rafael Nadal stand vor dem Einzug ins Viertelfinale und war auf dem Weg zum 5. French Open Sieg in Folge. Sein Gegner, der Schwede Robin Söderling galt trotz zuletzt starker Ergebnisse eher als Jausengegner für den Spanier. Doch schon im ersten Satz wurde klar, dass sich der Skandinavier nicht einfach verspeisen lassen will. Er holte sich völlig überraschend den ersten Satz mit 6-2. Der zweite Durchgang war bis zuletzt ausgeglichen und an Spannung kaum zu überbieten. Der Weltranglisten-Erste setzt sich im Tie-Break mit 7-2 durch. Doch Söderling kämpfte sich zurück und zeigte, dass der erste Satz keine Eintagsfliege war. Mit 6-4 kam er dem Wunder ein Stück näher. Nadal war an diesem Nachmittag in seinem Wohnzimmer zu schlagen – das erkannte nun wohl auch der letzte Zuschauer. Und so kam es dann auch. Der vierte Satz ging erneut ins Tie-Break, und das endete mit dem selben Ergebnis, wie das im zweiten Satz – lediglich mit einem anderen Sieger. Das Wunder war perfekt. Nadal war in Paris enttrohnt. Robin Söderling war der erste Spieler, der den Spanier im Sandplatz-Mekka in der Stadt der Liebe besiegen konnte. Was damals niemand ahnte: Er ist bis heute der einzige geblieben. Nadal triumphierte in den Jahren 2010 bis 2013 nämlich erneut vier Mal.

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Das anschließende Damen-Viertelfinale zwischen Tennis-Beauty Maria Sharapova und der damals noch eher unbekannten Chinesin Li Na, interessierte im Anschluss nur mehr die wenigsten. Ich und noch weitere geschätzte 100 Zuschauer amüsierten uns aber über dauernde Schlachtrufe eines Fans der Chinesin, die schlussendlich knapp aber doch mit 4-6, 6-0 und 4-6 der Russin unterlag. Die Tageszeitungen am Tag danach hatten für dieses Spiel, aber nicht einmal mehr eine Randspalte übrig. Fast ausschließlich das Aus von Rafa und deren Gründe waren zu lesen. Und wer weiß, vielleicht ist nach der zweiten Runde ein junger Österreicher in aller Munde. Denn Shootingstar Dominic Thiem hätte allemal das Zeug dazu, weitere Sportgeschichte zu schreiben und kann den Mallorquiner durchaus schlagen.

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Fotos: Samuel Thurner

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