1. Major-Titel! Humpelnder Thiem triumphiert in New York

Er war der große Favorit! Doch nach gut einer Stunde im Finale der US Open hat wohl niemand mehr nur einen Cent auf Dominic Thiem gesetzt. Der taktisch hervorragend eingestellte Alexander Zverev führte souverän mit 6:2, 5:1 und hatte Satzball. Doch der Deutsche setzte einen vermeintlich leichten Vorhandvolley neben die Linie. Plötzlich wurde der Österreicher, der in der Anfangsphase extrem viele Fehler produziert hat, in seinem vierten Grand-Slam-Finale stärker. Knappe Bälle kratzten auf einmal die Linie, bei Challenges hatte Thiem nicht nur einmal Glück und Zverev wurde fehleranfälliger.

Thiem früh mit dem Rücken zur Wand
Bei seinem Debüt in einem Major-Endspiel schaffte Zverev aber doch noch auch den zweiten Satz für sich zu entscheiden. Thiem spielte zwar besser, doch aus dem Nichts gelang der Nummer sieben der Welt in Satz drei ein Break. Österreichs Nummer eins stand mit dem Rücken zur Wand. Doch dem Schützling von Nicolas Massu gelang das Rebreak. Er holte Satz drei und stellte nur wenige Augenblicke später den Satzausgleich her.

Nervosität im Entscheidungsatz
Die Nerven flatterten bei beiden. Zverev gab im Entscheidungssatz gleich seinen Aufschlag ab, doch Thiem gelang es nicht, das Break zu bestätigen. Mit einem Doppelfehler „schenkte“ er seinem Gegner das Game. Das Match wurde in der Folge deutlich stärker und erreichte phasenweise Weltklasse-Niveau. Beide schenkten sich auf dem Weg zu ihrem ersten Grand-Slam-Titel bis zum 4:3 für den 23-jährigen Deutschen nichts. Und dann musste der vier Jahre ältere Thiem seinen Aufschlag ein weiteres Mal abgeben. Zverev servierte auf den Sieg, kassierte aber postwendend das Rebreak.

Völlig verrücktes Finale
Wohl niemand vor den TV-Geräten zu Hause hielt es noch auf seinem Sofa aus. Der Aufschlag wurde zur Belastung. Doch Thiem schaffte nicht nur den Ausgleich zum 5:5, sondern machte erneut ein Break und servierte plötzlich selbst aufs Match. Der Physio wurde noch einmal auf den Platz geholt und knettete kurz die Oberschenkel des Niederösterreichs durch. Und die verrückte Reise ging weiter. Denn es kam wie es kommen mussten. Zverev schaffte erneut das Tiebreak und ein Tiebreak musste über den US Open Champion 2020 entscheiden. Thiem humpelte, Zverev zitterte. Beide nahmen extrem Tempo aus den Schlägen. Und nach fast genau vier Stunden war die irre Mental-Schlacht vorbei. Die Nummer drei der Welt verwandelte seinen dritten Matchball zum 2:6, 4:6, 6:4, 6:3, 7:6 (6) und ließ sich auf den Boden fallen. Dominic Thiem holte in New York seinen ersten Grand-Slam-Titel und ließ sich trotz Corona-Verbot von seinem unterlegenen Kontrahenten herzen. Und Österreich hat nach Thomas Muster 1995 in Paris seinen zweiten Major-Sieger.

Gedanken bei Großeltern
Während Zverev unter Tränen seinen Eltern dankte, dachte der Sieger in seiner Dankesrede an Oma und Opa: „Ich liebe euch. Ich hoffe, die Großeltern haben das ausgehalten und zu Hause leben alle noch.“

Foto: Samuel Thurner

Noch keine Kommentare

Hinterlasse eine Antwort

Required
Required
Optional

XHTML: Du kannst diese Elemente nutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>