Fern der Heimat auf dem Weg zum Tennisprofi

IEV - KLOSTERNEUBURG TV

Montag Vormittag im idyllischen Oberhaching nur wenige Minuten von der Weltstadt München entfernt: Es herrscht Ruhe. Lediglich der Wind pfeift durch die zahlreichen Bäume rund um die Sportschule Oberhaching, die unter anderem den Bayerischen Fußball-Verband und den Bayerischen Landes-Sportverband beheimatet. Doch die Idylle täuscht. Obwohl gerade Ferien sind, feilen im gegenüberliegenden Tenniszentrum rund ein Dutzend Burschen und ein Mädchen auf den vier Sandplätzen sowie einem Hard-Court (im Winter und bei Schlechtwetter stehen fünf Hallenplätze mit Rebound-Ace-Belag zur Verfügung) an ihrer Technik. Der Schweiß fließt. Alle Jugendlichen haben denselben Traum: Sie wollen Tennisprofi werden.

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Unter ihnen hält ein 16-jähriger Kufsteiner die rot-weiß-rot Fahne hoch. Alexander Erler, der im Jahr 2011 Österreichischer Meister U14 wurde und zwei Jahre später die Staatsmeistertitel sowohl im Freien, als auch in der Halle bei den unter 16-Jährigen gewann, trainiert seit mittlerweile zwei Jahren in der Tennisbase des Bayerischen Tennisverbandes und drückt nur wenige Gehminuten entfernt die Schulbank. „Ich habe mich zwischen dem Sport-BORG in Innsbruck und der Tennisbase mit dem Besuch der Realschule in Oberhaching entscheiden müssen. Da die Schule hier nebenan liegt und es auch umständlich wäre, täglich von Kufstein nach Innsbruck zu fahren, habe ich mich für Bayern entschieden. Zu Beginn war es schon eine Umstellung nicht zu Hause zu wohnen, aber das legte sich rasch“, erinnert sich der Tiroler. Von der Tennisbase erfuhr er von seinem Onkel, der mit seiner Werbeagentur „Spectrum“ geschäftlich bereits Kontakt mit der Talenteschmiede hatte.

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Zusammen mit der Bayerischen Nachwuchshoffnung Maximilian Oettle teilt sich der 1,93 Meter Riese aus Kufstein ein rund 20 Quadratmeter großes Zimmer mit bestem Blick auf die Tennisplätze. „Für uns steht um 7 Uhr Frühstück bereit, dann geht es um 7.50 Uhr in die Schule. Dienstag und Donnerstag haben wir ab 9.20 Uhr Fitnesstraining. Nach dem Mittagessen gegen 13 Uhr steht meist zwischen 14 und 17 Uhr Tennistraining am Programm“, erklärt Erler einen typischen Tag in der Tennisbase. „Den Abend können wir frei gestalten, egal ob mit Fußballspielen, Fernsehschauen oder im Kondiraum.“ Auch eine Bespannmaschine sowie eine Waschküche stehen den Jugendlichen im Gemeinschaftsraum zur Verfügung.

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Immer wieder trainieren auch Profis wie Philipp Kohlschreiber, Florian Mayer oder Daniel Brands auf der Anlage. „Ab und zu dürfen wir mit ihnen trainieren“, verrät der Teenager, der vor allem aufgrund seine Aufschlages und der Vorhand seine Gegner zur Verzweiflung bringt. „Eine meiner Schwächen ist aufgrund meiner Größe die Beweglichkeit und Wendigkeit. Aber daran wird hart gearbeitet.“ Schließlich will Erler einmal in die Fußstapfen von Juan Martin del Potro wachsen. „Er ist mein Vorbild. Er ist auch sehr groß und mir gefällt einfach sein Spiel.“

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Und was sagt der Österreicher zum Durchbruch von Dominik Thiem? „Es ist toll zu sehen, wie weit Thiem bereits gekommen ist und ein riesen Ansporn für mich. Wenn er es geschafft hat Profi zu werden, warum soll ich es nicht schaffen?!“; meint Erler, der sowohl in der Österreichischen Tennis-Bundesliga für den Innsbrucker Tennisclub IEV, als auch für den TC Bruckmühl-Feldkirchen in der Nähe von Rosenheim ausschlägt.

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Während der Fußball-Weltmeisterschaft wird in der Tennisbase natürlich auch Fußball geschaut. „Ich bin kein Fan von Deutschland. Aber das ist hier kein Problem, denn auch viele Deutsche halten nicht zur Elf von Jogi Löw“, so Erler. Und wer holt sich dann den Pokal in Brasilien? „Schwierig zu sagen, aber ich glaube Brasilien.“

Fotos: Christof Birbaumer (1), Samuel Thurner (5)

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