Flut an Karriereende geht weiter: Auch Nalbandian hört auf

David Nalbandian Basel Foto: Samuel Thurner

Was haben Marion Bartoli, James Blake, Nicolas Massu, Igor Andreev, Anna Tschakwetadse, Jill Craybas und nun auch David Nalbandian gemeinsam? Richtig! Sie alle haben unlängst den Schläger an die Wand gehängt. Die Flut an Karriereenden geht damit weiter.

 Ehemaliger Wimbledon-Finalist sagt adios

Auf einer Pressekonferenz in Buenos Aires gab Nalbandian unlängst bekannt, dass er seine Tennis-Karriere beenden wird. Als Hauptgrund nannte der ehemalige Wimbledon-Finalist (2002) andauernde Schulterprobleme. „Es ist nicht einfach für mich derzeit – meine Schulter verhindert, dass ich so trainiere wie es für das Niveau auf der ATP-Tour erforderlich wäre.“ Der Argentinier wurde im Mai dieses Jahres an der rechten Schulter operiert, nachdem er zuvor beim Turnier in Miami im März sein letztes Profi-Einzel bestritten hatte. Seinen endgültigen Abschied nimmt der Spieler aus Córdoba im November nach zwei Schaukämpfen in seiner Heimat gegen den befreundeten Weltranglistenzweiten Rafael Nadal.

Auf den dritten Platz der Weltrangliste vorgestoßen

Nalbandian – Sohn eines armenischen Vaters und einer italienischen Mutter – war als Achtzehnjähriger Profi geworden und 2006 bis auf den dritten Platz in der Weltrangliste vorgestoßen. Aktuell wird Nalbandian jedoch nur noch auf Rang 231 geführt. Insgesamt erreichte der Rechtshänder 24 Mal das Finale von ATP-Turnieren und gewann elf davon. Als größter Erfolg steht der Gewinn des Masters Cups 2005 in Shanghai zu Buche, als er im Finale den souveränen Weltranglistenersten Roger Federer nach 0:2-Satzrückstand noch bezwang. Sein letzter Turniersieg datiert aus dem Jahr 2010, die Bilanz beschließt er mit 383 Siegen und 192 Niederlagen.

Erfolgreiche Karriere mit Ausrastern

Nalbandian war neben Federer, Rafael Nadal, Novak Dokovic und Andy Murray einer von fünf aktiven Spielern, die in ihrer Karriere bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens einmal das Halbfinale erreichen konnten. Traurige Berühmtheit erlangte der emotionale Südamerikaner aber auch, als er 2012 beim Turnier im Londoner Queen´s Club im Finale gegen Marin Cilic durch einem Tritt gegen die Werbebande einem dahinter sitzenden Linienrichter das Schienbein blutig schlug und disqualifiziert wurde. Auch zuvor hatte Nalbandian dank seinem Temperament oft nicht allein mit seinen Gegnern zu kämpfen. Im Halbfinale der US Open 2003 ließ er sich im Spiel gegen Andy Roddick während eines Ballwechsels vom Zwischenruf eines Zuschauers dermaßen irritieren, dass er nach einem Wutausbruch eine scheinbar sichere 2:0-Satzführung noch aus der Hand gab und somit dem Amerikaner den Weg zu dessen späteren – einzigen – Grand-Slam-Titel.

Davis-Cup-Routinier

Als unermüdlicher Kämpfertyp bekannt, bezeichnet Nalbandian seine Auftritte im argentinischen Davis-Cup-Team als die emotionalen Höhepunkte seiner Karriere. Dreimal erreichte er mit seinen Landsleuten zwischen 2006 und 2011 das Finale des prestigeträchtigen Mannschaftswettbewerbs. 2008 zuhause in Mar del Plata vergaben Nalbandian & Co. dabei die bislang größte Chance, den Pokal erstmals für Argentinien zu holen. Den Lokalmatadoren versagten gegen die ohne Rafael Nadal angetretenen Spanier die Nerven. Auch wenn Nalbandian der Gewinn des Davis Cups als Aktiver nicht vergönnt war, sein letztes Auftreten in diesem Bewerb endete mit einem Erfolgserlebnis: Im Doppel verhalf er im April 2013 Argentinien zum Aufstieg ins Semifinale. Angesprochen auf ein mögliches künftiges Engagement als Davis-Cup-Kapitän seines Landes will er sich nicht festlegen: „Derzeit denke ich nur an meinen Ist-Zustand. Aber natürlich kann ich mir vorstellen, eines Tages das Davis-Cup-Team zu übernehmen.“

Rücktrittswelle geht weiter

 Mit Xavier Malisse ist nun wohl ein weiterer Prominenter zurückgetreten. Der „X-Man“ kündigte zwar in belgischen Medien an, dass er nach den Australian Open 2014 Schluss macht mit dem Profitennis, doch er wird in „Down Under“ nun doch nicht mehr an den Start gehen. Malisse hat nämlich vor seinem heimischen Publikum in Belgien seinen Rücktritt erklärt. Beim ATP-Hartplatz-Challenger in Mons unterlag der 33-Jährige in der ersten Runde dem Ukrainer Sergiy Stakhovsky, dem Wimbledon-Bezwinger von Roger Federer, mit 3:6, 6:7 (4). Danach wurde es emotional: „Ich mochte den Druck des Spiels, aber ich bin auch erleichtert. Nun werde ich mich mit meiner Familie und meinen Freunden entspannen. Es ist schwer zu gehen, aber eines Tages müssen wir aufhören“, sagte er noch auf dem Platz.

Foto: Samuel Thurner

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