Für nur 40 Dollar bei den US Open in die Loge

Wer auf einem der drei großen New Yorker Flughäfen landet und auf traditionelle Weise mit einem gelben Taxi Richtung Manhattan fährt, dem fallen entlang der Freeways die Billboards mit den Porträts lächelnder Menschen sofort ins Auge. Es ist der Werbefeldzug einer Kreditkartenfirma, und da die übergroßen Gesichter allesamt Tennis-Assen gehören, kann sich der Reisende seinen Reim darauf machen. Wenn sich dann noch der Taxifahrer als absoluter Fan von Serena Williams outet, die Amerikanerin zur „großen Turnier-Favoritin“ erklärt, ihren Landsmännern allersamt „kein Husarenstück“ zutrauen und das Tennis-Spektakel US Open von der Stimmung her als „zwei Wochen dauerndes Rockkonzert“ beschreibt, ist man als Tourist bestens im Bilde. Das vierte und letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres hat etwas mit Leidenschaft zu tun. Auf der riesigen Anlage des „National Tennis Center“ mit dem 22.500 Zuschauer fassenden Arthur-Ashe-Stadion im Mittelpunkt werden ab 26. August wieder Heldenstücke und Dramen serviert.
US Open Foto: Samuel Thurner

Jede Menge Geld oder Vitamin B

Wer will nicht seinen Idolen einmal ganz nahe sein? Federer, Nadal, Djokovic und Co. von einer Loge (!!!) aus anfeuern und das noch dazu bei einem Grand Slam? Ist das möglich? Ja!!! Dabei gibt es drei Möglichkeiten:

Für Variante 1 braucht man eine sehr dicke Geldtasche: Man klickt sich auf den üblichen Ticket-Verkaufsportalen, wie etwa Viagogo oder eBay durchs Internet und schlägt zu.

Für Variante 2 braucht es jede Menge Vitamin B(eziehungen): Denn die heiß begehrten Logenplätze sind fast ausschließlich an Sponsoren vergeben, die auf diese Weise gute Kunden – oder solche die es werden sollen – einladen können. Kennt man jemanden beispielsweise bei FedEx und kann man diesen überzeugen, dass das nächste Geschäft nur über zwei Logen-Tickets läuft, hat man gewonnen…

Roger Federer US Open Foto: Stefan Ruef

Auch für „Sterbliche“ kein Ding der Unmöglichkeit

Für Variante 3 braucht es nur ein bisschen Glück und taktisches Geschick: Am Besten funktioniert diese Methode bei den Night-Sessions, denn die beginnen um 19 Uhr fast immer mit einem Damen-Spiel, dem – je nach Matchdauer – etwa gegen 21 Uhr ein Herrenspiel folgt. Da bei den Night-Sessions meist das Spitzenspiel des Tages zu sehen ist, hat man hier die besten Chancen auf einen Kracher. Die späte Beginnzeit ist eine der Hauptkriterien für unsere Methode: Denn die in Punkt zwei erwähnten Kunden von Sponsoren sind meist nicht wirklich an Tennis interessiert – oder nur am Rande. Sie nehmen die Einladungen zwar an, versuchen dann aber doch wieder zeitig daheim zu sein und dem Rummel an und in der U-Bahn am Spielende zu entgehen. Auf genau diese Personengruppe haben wir es abgesehen.

Ein 520-Dollar-Ticket für nur 40 Dollar

Damit man an diese Personen herankommt, braucht man aber ein Ticket für das Arthur Ashe-Stadium. Man kauft sich das billigste – entweder regulär über die Verkaufsphase des Turniers (www.usopen.org) oder bei den unter Variante 1 genannten Plattformen. Dann ist man im Stadium ganz oben im Rund und blickt neidisch auf „die da unten“ in den Logen. Jetzt braucht man nur noch ein wenig Geduld und ein bisschen Glück. Wenn man die Logen beobachtet, wird man sehen, dass teilweise schon während des Damenmatches, ganz sicher aber nach dem ersten Satz des Herrenmatches viele aufstehen und ihre Plätze verlassen. Manche, um sich zu verköstigen und dann wieder zurückzukehren, andere, um nach Hause zu gehen. Jetzt muss man nur noch herausfinden, wo die jeweilige Loge (man sucht sich die aus, die man am liebsten hätte) ihren Ein- bzw. Ausgang hat. Man geht dorthin und quatscht die Personen an. Bei unserem Versuch bei den US Open 2010 hat dies an drei Tagen immer funktioniert. Meist gibt es noch ein paar US-Boys, die auf die selbe Art ihr Glück in die Hand nehmen. Wir haben aber nie mehr als fünf Personen fragen müssen – ein nettes Geschichtchen oder einfach sympathisch gefragt und schon rücken die Privilegierten ihre Tickets heraus. Beim nächsten Seitenwechsel öffnen sich die Tore und eines können wir euch versprechen: Ihr werdet aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, wenn ihr auf dem Weg zu euren Logenplätzen seid! Und erst recht, wenn ihr auf den Tickets den regulären Verkaufspreis seht. Also viel Glück…

US Open Foto: Samuel Thurner

Fotos: Stefan Ruef (1), Samuel Thurner (2)

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