Große Emotionen, Favoritensterben & ein fehlendes Visum

US Open Foto: Samuel Thurner

Bereits vor den beiden Endspielen steht fest: Die US Open in New York waren auch in diesem Jahr wieder ein Spektakel. Doch nicht nur großartige Ballwechsel, spannende Matches und Siege der US-Boys und vor allem Girls zogen die Zuschauer in ihren Bann. Teilweise auch viele Kuriositäten sorgten Tag für Tag für einen Unterhaltungswert der besonderen Art.

Einreise-Ärger für Boris Becker

Tennislegende Boris Becker, der zuletzt aufgrund seiner angeblichen Finanzmisere in die Schlagzeilen geriet, sorgte bereits vor dem Start des letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres wohl bei vielen für ein klein wenig Schadenfreude. Der Deutsche, der für Eurosport als TV-Experte im Einsatz war, vergaß sich ein Arbeitsvisum zu besorgen. „Bobele“ wurde aus diesem Grund zunächst die Einreise in die Vereinigen Staaten verwehrt. Ein Termin bei der US-Botschaft in Deutschland ließ den Einreise-Ärger schnell vergessen und der US-Open-Sieger von 1989 durfte doch noch vor der Kamera in Flushing Meadows mit seinem Fachwissen glänzen.

Federer trainierte im Central Park

Besucher des Central Parks staunten nicht schlecht, als sie auf einem der öffentlichen Tennisplätze plötzlich Roger Federer entdeckten, wie er in gewohnter Manier Bälle über das Netz donnerte. Der 19-fache Grand-Slam-Champion verlegte kurzerhand eine Trainingseinheit in eine der wohl berühmtesten Parkanlagen der Welt. Wie der Schweizer später erklärte, wollte er einfach nicht weit zum Training fahren. Und da sein Hotel nahe des Central Parks lag, wurde ihm der Platz direkt in der Stadt empfohlen. Federer und die vielen Fans, die dem „Park-Training“ beiwohnten, waren von dieser speziellen Atmosphäre jedenfalls begeistert. Fotos und Autogramme mit dem „Maestro“ gab es für die meisten am Ende schließlich auch noch.

Glitzernde Siege für Sharapova

Für eine der ersten Überraschungen sorgte ausgerechnet Maria Sharapova. Die Russin, die nach ihrer Doping-Sperre nur dank einer Wildcard im Hauptfeld aufschlagen durfte, warf in Runde eins Simona Halep aus dem Turnier und beendete rasch deren Ambitionen auf die Nummer eins der Welt. Bei ihrem ersten Grand-Slam-Turnier seit 19 Monaten fertigte „Masha“ in ihrem schwarzen mit Swarovski-Steinen verzierten Kleidchen die Rumänin in zwei Stunden und 44 Minuten in der ersten Night-Session-Partie des Turniers mit 6:4, 4:6 und 6:3 ab. Nach dem verwandelten Matchball ließ sich die Russin auf die Knie fallen und hatte Tränen in den Augen. Trotz Pfiffe im Publikum war die ehemalige Nummer eins der Welt von großen Gefühlen sichtlich überwältigt.

Läster-Attacken gegen die Russin

Erst im Achtelfinale war für Sharapova das Turnier zu Ende. Sie verlor gegen die Lettin Anastasija Sevastova mit 7:5, 4:6, 6:2. Bis dorthin durfte die „Doping-Sünderin“ drei Mal in der Night-Session auf der großen Bühne im Arthur-Ashe-Stadion aufschlagen. Einigen gefiel dies weniger. „Ich verstehe die geschäftliche Sicht, aber es ist fragwürdig, jemanden gleich zweimal auf dem Centre Court spielen zu lassen, der wegen Dopings gesperrt war“, lästerte etwa die Dänin Caroline Wozniacki, die bereits zuvor auf Court 5 ausgeschieden war. Sharapova ließ die Kritik kalt und konterte souverän: „Ich bin eine Wettkämpferin. Wenn mir jemand sagt, mein Match findet auf einem Parkplatz in Queens in New York City statt, dann bin ich glücklich, dort zu spielen“, so die Russin.

Viele faustdicke Überraschungen

Nach der Absageflut vor dem Turnier mussten Veranstalter und Fans auch ein fast tägliches Favoritensterben mitansehen. Neben den Erstrunden-Pleiten von Simona Halep und Angelique Kerber bei den Damen, gab es vor allem bei den Herren viele faustdicke Überraschungen. Geheimfavorit Sascha Zverev scheiterte etwa in Runde zwei am Kroaten Borna Comic mit 6:3, 5:7, 6:7, 6:7. Bereits in der ersten Runde musste Nick Kyrgios die Segel streichen. Der Australier verlor gegen Landsmann John Millman in vier Sätzen. Und auch Jo-Wilfried Tsonga, Grigor Dimitrov und Tomas Berdych kamen nicht über die zweite Runde hinaus.

Epischer Sieg trotz Fieber

Für das Comeback des Turnier sorgte zweifelsfrei Juan Martin del Potro. Der von Fieber geplagte Argentinier wehrte im Achtelfinale gegen Dominic Thiem zwei Matchbälle ab und holte sich nach drei Stunden und 35 Minuten und einem 0:2-Satzrückstand noch den Sieg. Dabei zählte wohl nicht nur Eurosport-Co-Kommentator Alex Antonitsch bereits im zweiten Satz die Sekunden bis zur Aufgabe von „Delpo“. Und tatsächlich: „Ich habe in der Mitte des zweiten Satzes daran gedacht, aufzugeben, weil ich nicht atmen und mich nicht gut bewegen konnte“, so der Südamerikaner. Angetrieben von Fußballgesängen der vielen argentinischen Fans schaffte der knapp Zwei-Meter-Hüne aus Tandil das schier Unmögliche.

Foto: Samuel Thurner

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