Kommentar: Hype um Federers „SABR“ endlich vorbei?

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Eines vorweg: Ich bin riesen Fan von Roger Federer. Allerdings muss man in meinen Augen fast froh sein, dass sich der „Maestro“ verletzt hat und einer Operation unterziehen musste. „Dank“ diesem Umstand ist der Hype um Federers Halbvolley-Return, dem „SABR“ (Sneak Attack by Roger), nämlich zumindest vorübergehend eingedämmt und hoffentlich beendet. Es ist zwar durchaus wünschenswert, dass durch derartige „Neuerungen“ das Tennis an Attraktivität gewinnt, aber man hatte den Eindruck, dass einige Journalisten aufgrund mangelnder Alternativen diesen Schlag des Schweizers hochstilisierten und nur mehr darüber zu berichten wussten. Die Harakiri-Taktik stieß auch bei Novak Djokovic und vor allem seinem Trainer Boris Becker auf Kritik. „Hätte er den Schlag gegen einen John McEnroe oder mich ausgepackt, hätten wir gesagt: Roger, ganz ehrlich, ich mag dich sehr, aber noch einmal, und ich ziele voll auf dich!“, sagte der Deutsche im Zuge der US Open. Und auch der Weltranglisten-Erste meinte, dass die „neue“ Return-Variante den Gegner lächerlich mache.

Ist „Sneak Attack“ wirklich etwas Bleibendes?

Sprichwörtlich den Vogel abgeschossen hat meiner Meinung nach aber Carli Underberg. Der Chefredakteur des großartigen deutschen „Tennis Magazin“ schrieb vor einigen Wochen im Heft-Editorial nämlich, dass der Schweizer mit seiner „schleichenden Attacke“ wohl etwas „wirklich Bleibendes“ im Tennis geschaffen hat. Er verglich den SABR sogar mit dem „V-Stil“, mit dem der Schwede Jan Boklöv das Skispringen auf ein neues Level brachte. Durch die „Erfindung seines ganz persönlichen Tennisschlages“ war Federer laut Undenberg 2015 sogar der „Spieler der Saison“.

Federer ist mehr als der „SABR“

Erstens: Eine Legende wie Roger Federer kann man meiner Meinung nach nicht einfach auf einen solchen Schlag reduzieren. Seine elegante Rückhand, seine dominante Vorhand, seine knallharten Aufschläge, seine exzellenten Volleys und seine hervorragende Beinarbeit werden uns bestimmt ebenso lange – wenn nicht länger – in Erinnerung bleiben, als der SABR.

Auch Sampras attackierte schleichend

Und zweitens ist diese spezielle Variante des Returns nicht wirklich neu und ich verstehe deshalb die Begeisterung rund um den SABR nicht wirklich. Federer hat den Schlag zwar weiterentwickelt, der SABR ist aber nichts anderes als die Chip-and-Charge-Variante, die schon Spieler wie Pete Sampras oder Vitas Gerulaitis immer wieder in ihr Spiel einstreuten.

Der „Maestro“ darf bald wieder bewundert werden

Andererseits sind wir froh, dass Federer nach seinem Meniskusriss und der Operation am Knie das Training wieder aufgenommen hat, er auf den Fotos in den sozialen Netzwerken glücklicher aussieht als je zuvor und wohl bald wieder um Weltranglisten-Punkte und Preisgelder kämpfen wird. Denn ohne dem Eidgenossen ist Tennis nicht das selbe – mit SABR oder ohne.

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Fotos: facebook/Roger Federer (Screenshot)

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