Kommentar: Öffnet mit den Skipisten auch Tennishallen

Wer mich kennt, der weiß: Ich gehöre nicht zu den Tirolern, die jubeln, wenn die ersten Schneeflocken vom Himmel fallen. Vielleicht liegt dieser Umstand auch an meinen skifahrerischen Fähigkeiten, die lediglich für den Anfängerhügel im Schneepflug reichen.

Skisport kämpft um Saisonstart
Der Aufschrei der heimischen Seilbahner und des Österreichischen Skiverbandes nach der Kampagne einiger europäischer Politiker gegen den Wintersport, ist aber auch für mich verständlich. Zu viel hängt wirtschaftlich vor allem im Heiligen Land am Lieblingssport der Österreicher. Und es ist auch verständlich, dass viele dem tristen Corona-Alltag entfliehen und sich in der freien Natur wie Marcel Hirscher fühlen wollen. Speziell für Kinder und Jugendliche, die ansonsten vor Fernseher oder PC versauern, wäre Bewegung an der frischen Luft natürlich wichtig.

Aufschrei im Tennis blieb aus
Doch ich frage mich, wo der Aufschrei speziell des Österreichischen Tennisverbandes blieb, als am 17. November um 0 Uhr die Tennishallen geschlossen wurden? Er war nicht vorhanden! Im Gegenteil: Die Verantwortlichen betonten immer wieder, dass Leistungssportler ja ohnehin vom Lockdown ausgenommen sind. Und der ÖTV rühmte sich damit, dass es ihm in zahlreichen Gesprächen mit dem Sportministerium gelungen ist, den Kreis der Spitzenspieler erheblich ausgedehnt zu haben. Neben Profis dürfen seitdem also Athleten, die in der allgemeinen Spielklasse unter den Top 50 in Österreich stehen sowie die 20 besten Nachwuchsspieler in den jeweiligen Jugendklassen ab U12 weiterhin der gelben Filzkugel nachjagen.

Auf zum Teil geschlossene Freiplätze verwiesen
Doch was ist mit allen anderen? Mit den 6- bis 11-Jährigen, die in der Zeit der ATP Finals in London einem Dominic Thiem im Einzel oder einem Jürgen Melzer im Doppel nacheifern wollten? Den möglichen Stars von morgen? Sie wurden auf die Freiplätze verwiesen, die natürlich in vielen Clubs bereits geschlossen waren. Viel wichtiger schien dem ÖTV, dass ein Spieler, der in Österreich etwa auf Position 49 im Ranking steht, seinem „Hobby“ nachgehen kann.

Hunderte Babyelefanten in den Tennishallen
Bleibt zu hoffen, dass die Tennishallen, in denen wohl über hundert Babyelefanten Platz hätten und die Verletzungsgefahr als sehr gering eingestuft werden kann, auch mit den Skipisten im Land wieder geöffnet werden, und unsere künftigen Thiems, Musters und Schetts nicht zu E-Sportlern mutieren. Aber im österreichischen Tennis fehlt wohl ein Sprachrohr wie Peter Schröcksnadel oder eine riesige Lobby wie im Skisport …

Foto: Samuel Thurner

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