Mayr-Achleitner über Karriere, Zukunft & das Damentennis

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Vor knapp einem Monat kündigte Patricia Mayr-Achleitner nach ihrer Erstrunden-Niederlage beim WTA-Turnier in Bad Gastein – wie berichtet – unter Tränen ihren baldigen Rücktritt vom Profitennis an. Rückenprobleme zwingen die Tirolerin in die Knie. Im exklusiven Interview mit tennis-klatsch.com sprachen die ehemalige Nummer 70 der Welt und ihr Trainer und Ehemann Michael Achleitner über Patricias Entscheidung, ihrer Karriere, ihre Zukunftspläne und über fehlende Hartplätze (auch tennis-klatsch.com sprach die Problematik bereits im März 2014 in „Hartplätze braucht das Land“ an).

Du hast bei der sehr emotionalen Pressekonferenz in Bad Gastein erklärt, dass du gerne in Linz deine Karriere beenden möchte, sollte nicht irgendein Wunder passieren. Hat es das Wunder gegeben oder darf man auf dieses noch hoffen?

Patricia Mayr-Achleitner: (Lacht) Hoffen kann man immer, aber aufgrund der anhaltenden Rückenprobleme scheint die Entscheidung definitiv zu sein. Es ist sehr viel Therapie nötig um die Schmerzen in den Griff zu bekommen und als Profi auf der WTA-Tour muss man eben 100 Prozent fit sein. Dass die Pressekonferenz sehr emotional ablief, ist verständlich: Tennis war rund 20 Jahre lang alles in meinem Leben und mit dem Karriereende wird der erste Abschnitt meines Lebens zu Ende gehen.

Michael Achleitner: Auf Platz 200 der Welt zu stehen, kann nicht unser Ziel sein. Für manche Spielerinnen ist ein Startplatz in der Quali eines Grand Slam Turniers toll, für uns ist es fast schon eine Tragödie. Aufgrund der Verletzungen fehlen Patricia pro Monat einfach 10.000 bis 30.000 Bälle im Training.

Seit wann leidest du schon an den Schmerzen im Iliosakral-Gelenk?

Patricia Mayr-Achleitner: Seit einem Jahr. Es kam schleichend. In Istanbul habe ich es erstmals gespürt, in Indien nicht mehr in den Griff bekommen. Ich konnte nicht mehr schlafen. Eigentlich hätte ich jede Partie w.o. geben müssen. Man will aber gewinnen. Doch jede einzelne Niederlage tut weh, wenn man weiß, dass man eigentlich besser als die Gegnerin ist. Das verkraftet man irgendwann psychisch nicht mehr. Auch gegen Anna Karolina Schmiedlova, die in Bukarest gerade ein Turnier gewonnen hat und voller Selbstvertrauen war, habe ich im ersten Satz hervorragend gespielt und den Durchgang mit 6:3 gewonnen. Doch dann hat der Körper nicht mehr mitgespielt.

Du hast nach der Verkündung deines Karriereendes in Baku Quali gespielt. Wie hast du dich im Match gegen die Georgierin Oksana Kalashnikova – mit dem Karriereende im Hinterkopf – gefühlt?

Patricia Mayr-Achleitner: Natürlich habe ich viel über mein Karriereende in der Presse gelesen und wurde ständig damit konfrontiert. In Baku habe ich mich damit aber nicht beschäftigt. Vielleicht war alles auch noch zu frisch.

Michael Achleitner: (Schmunzelt) Bei 50 Grad hat man sich damit auch nicht beschäftigen können.

Du hast viele mit deiner Entscheidung überrascht. Wie haben deine Familie und deine Freunde die Nachricht aufgenommen? Hat es vielleicht jemanden gegeben, der dich versucht hat umzustimmen?

Patricia Mayr-Achleitner: Eingeweiht war eigentlich niemand. Die Entscheidung ist wohl für alle überraschend gekommen. Natürlich gibt es immer wieder jemanden aus der Familie der sagt, dass es sicherlich bald wieder gehen und alles besser werden wird. Aber ich glaube, dass mittlerweile alle erkannt haben, dass es aufgrund der Rückenprobleme nicht weiter gehen kann.

Wie sehen deine Pläne bis zum Turnier in Linz aus?

Patricia Mayr-Achleitner: Ich fliege jetzt dann nach New York und spiele dort Qualifikation bei den US Open und dann werde ich in Linz meine Karriere beenden.

Wirst du nach dem Ende deiner Profikarriere noch weiter Bundesliga spielen?

Patricia Mayr-Achleitner: Ja, das habe ich schon vor. Meine Mannschaft in Deutschland hat jedenfalls schon anklingen lassen, dass sie mich im nächsten Jahr wieder haben wollen.

Welche Pläne hast du sonst für die Zukunft?

Patricia Mayr-Achleitner: Im Oktober wird mein Bruder aus der Schweiz zurück nach Tirol kommen. Mit ihm und mit Michael möchte ich dann eine Tennisschule aufmachen. Wo genau steht noch nicht fest, aber schon irgendwo in Tirol.

Du hast im Mai 2009 dein Karrierehoch als 70. der Weltrangliste erreicht. An welche Momente erinnerst du dich besonders gerne zurück?

Patricia Mayr-Achleitner: An das Finale in Bad Gastein und das Viertelfinale in Linz werde ich mich ewig erinnern. Aber es gab sicherlich noch viele andere schönen Momente in meiner Karriere.

Michael Achleitner: Patricia war immer drauf und dran ihr Karrierehoch zu überbieten. Doch Verletzungen wie etwa der doppelte Bänderriss warfen sie wieder zurück. Und dann kam stets das Pech bei der Auslosung bei den Grand-Slam-Turnieren dazu. Das Lospech war unglaublich (schmunzelt und schüttelt den Kopf).

Du warst eine Spielerin, die sich eigentlich immer bereit erklärt hat, Fed-Cup zu spielen. Im Oktober des Vorjahres bist du vom damaligen Teamchef Clemens Trimmel kurzerhand rausgeschmissen worden. Wie weh tat dies?

Patricia Mayr-Achleitner: Ich habe immer gerne Fed-Cup gespielt und meine eigene Karriere im Vergleich zu einigen anderen stets hinten angestellt, auch wenn ich einmal eine Pause gebraucht hätte oder mir das Fed-Cup-Wochenende nicht in meinen Turnierplan gepasst hat. Es hat schon weh getan, keine Wertschätzung und Anerkennung dafür zu erhalten. Aussprache mit Clemens Trimmel gab es danach keine. Wozu auch?

Michael Achleitner: Die Wertschätzung hat Patricia ein paar Wochen danach erhalten. Schließlich musste Trimmel gehen und sie spielte weiter für ihr Land.

Das Damentennis in Österreich steckt derzeit in einer echten Krise. Und Patricia wird noch einmal eine große Lücke hinterlassen. Habt ihr eine Erklärung dafür?

Michael Achleitner: Man muss sich ehrlich gesagt eingestehen, dass das kleine Land Österreich immer Glück hatte, auf die Jahre verteilt zumindest eine oder zwei Top-Spielerinnen zu haben. Auch dank der Eigeninitiative der Spielerinnen selbst. Die „Krise“ hat aber schon vor Jahren begonnen. Woran es liegt ist schwierig zu sagen. Als Patricia mit dem internationalen Top-Trainer Vladimir Platenik, der unter anderem auch Dominika Cibulkova, Yanina Wickmayer oder Nadja Petrova trainierte, zusammenarbeitete und überall geschrieben stand, dass sie in Jenbach gemeinsam einige Einheiten abhalten, hat sich so gut wie kein anderer Trainer dafür interessiert und zugeschaut. Als etwa Jürgen Klopp mit Borussia Dortmund zum Trainingslager ins Zillertal kam, schauten 300 Fußballtrainer beim Training zu. Viele Tennistrainer sind sich offensichtlich zu stolz, sich bei anderen etwas abzuschauen. Und der Verband holt lieber für viel Geld Nick Bollettieri oder Judy Murray nach Österreich. Ein weiterer Grund für die „Krise“ im österreichischen Damentennis könnte sein, dass es so gut wie keine Hartplätze im Land gibt und das obwohl 70 bis 80 Prozent der Profiturniere auf diesem Untergrund ausgetragen werden.

Patricia Mayr-Achleitner: Ich habe zu Beginn meiner Karriere immer auf Hartplatz verloren, weil ich nicht wusste, wie man darauf spielen muss. Und das, obwohl ich auf Hartplatz viel besser spiele.

Michael Achleitner: Für mich ist auch unverständlich, wie ein Andreas Haider-Maurer mit seiner Größe und seinem Aufschlag zu einem typischen Sandplatzspieler, der weit hinter der Grundlinie steht, gemacht werden konnte.

Patricia, du hast geschafft, was viele Mädchen nicht nur in Österreich, sondern auf der ganzen Welt schaffen möchten. Kannst du den Nachwuchsspielerinnen einen Tipp geben, wie sie es dir gleich tun können?

Patricia Mayr-Achleitner: Ein einziger Tipp ist wohl schwierig. Viele müssen erst begreifen, dass Tennisprofi ein echter Beruf mit täglich harter Arbeit ist. Tennis muss man dabei leben. Viele trainieren aber auch falsch. Qualität sollte vor Quantität stehen. Nach etwa dreieinhalb Stunden intensivem Training, bei dem man 100 Prozent gibt, ist man nicht mehr aufnahmefähig. Und wichtig ist natürlich auch, dass man Top-Leute um sich hat, die etwas vom Tennis verstehen. Talent gehört natürlich auch dazu, aber selbstverständlich müssen auch die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen. Einem Trainer sollte man auch mal mehr als drei Monate Zeit geben, denn ansonsten erntet der neue Trainer nach fünf Monaten die Lorbeeren, die eigentlich seinem Vorgänger zustehen.

Michael Achleitner: Spielerinnen aus anderen Nationen sind meist mit einem ganzen Team unterwegs. Wir sind da zu zweit meist richtige Exoten. Kaum jemand holt sich in Österreich einen Fitnesstrainer ins Boot. Viele Trainer sollten öfters mal über den Tellerrand hinausschauen und sich auch mal bei Schläger- oder Saitenfirmen Infos holen.

Foto: privat

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