Österreichs Damentennis in der Bedeutungslosigkeit

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Irgendwie muss man als patriotischer Tennisfan im skisport-begeisterten Österreich wohl froh sein, dass über dem großen Teich derzeit die Ski-Weltmeisterschaft stattfindet. In allen Tageszeitung des Landes und in den unzähligen Internetforen wird das schlechteste Abfahrtsergebnis in der WM-Geschichte penibelst analysiert und breitgetreten. Gott sei dank! Denn dadurch ist der wohl endgültige Abstieg in die Bedeutungslosigkeit des rot-weiß-roten Damentennisnationalteams wohl bei den meisten Sportfans vorübergegangen. Lediglich eine winzig kleine Punktmeldung oder ein Mini-Einspalter weisen auf die „Blamage von Budapest“ hin.

Mayr-Achleitner fehlte im Entscheidungsspiel

Dabei war vor wenigen Wochen noch von „Gutem Los“ zu lesen. Serbien ohne Ana Ivanovic und Jelena Jankovic sowie „Tenniszwerg“ Ungarn würden die Österreicherinnen wohl im Vorbeigehen bezwingen können. Doch es kam anderes. Es wurde zu einem wahren Horrorszenario. Nach dem Karriereende von Yvonne Meusburger und der nach einer Verletzung noch immer nicht fitten Tamara Paszek lagen alle Lasten auf Patricia Mayr-Achleitner. Doch bereits nach der klaren Auftaktniederlage gegen Serbien war klar, dass auch die Tirolerin derzeit nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte ist. Und es kam noch schlimmer. Ein grippaler Infekt zwang Österreichs neue Nummer 1 im Spiel gegen Ungarn bereits nach dem ersten Game zur Aufgabe. „Patricia hat schon beim letzten Match gehustet, beim Einspielen heute war aber noch nicht zu erkennen, dass es so schlimm sein würde. Sie hat alles probiert, um zu spielen, hat dann aber Fieber und Schwindel bekommen. Der Arzt hat ihr zur Aufgabe geraten, um ihre Gesundheit nicht ernsthaft zu gefährden“, erklärte Fed-Cup-Kapitän Jürgen Waber kurz nach der Niederlage gegen Ungarn. Ein Antreten im Abstiegsspiel gegen Lettland war für Mayr-Achleitner unmöglich.

Lasten lagen auf Schultern von zwei Teenagern

Somit lag die Zukunft des österreichischen Damentennis plötzlich in den Händen von zwei Teenagerinnen. Nachdem die Vorarlbergerin Julia Grabher (18) gegen die Lettin Jelena Ostapenko (17), die als Junioren-Wimbledon-Siegerin von 2014 als eines der größten Talente gehandelt wird, mit 2:6 und 1:6 keine Chance hatte, ließ Barbara Haas (18) in einem kuriosen Match gegen Diana Marcinkevica phasenweise ihr Können aufblitzen. Die Oberösterreicherin siegte mit 6:0, 2:6, 6:0 und stellte kurzzeitig den Ausgleich her.

Doppel musste Entscheidung bringen

Somit entschied also das abschließende Doppel über Klassenerhalt oder Abstieg. Die routinierte Sandra Klemenschits und die 14 Jahr jüngere Julia Grabher konnten zwar einen 1:3 Rückstand wieder wettmachen, mussten allerdings das entscheidende Break zum 5:7 hinnehmen. Im zweiten Satz schien es, als würden die beiden Österreicherinnen plötzlich die Oberhand zu bekommen. Bei 3:1 hatten Klemenschits/Graher mehrere Chancen zum 4:1, mussten aber wenig später das Re-Break hinnehmen und kamen zu keinen einzigen Gamegewinn mehr. Nach sieben Jahren in der Zone I muss das Österreichische Fed Cup Team damit den bitteren Gang in die zweite Etage der Europa/Afrika-Zone antreten. Die rot-weiß-roten Damen treffen damit im kommenden Jahr in der Europa/Afrika-Zone II auf Länder wie Slowenien, Bosnien-Herzegowina oder Luxemburg.

„Auch in Europa-Afrika-Zone II kein Zuckerschlecken“

Doch wer ist Schuld am Debakel? „Unsere Nummer eins war fit, aber nicht gesund, unsere Nummer zwei war gesund, aber nicht fit. Unsere Jungen sind in die Bresche gesprungen, haben sich gut präsentiert und wir sollten froh sein, dass wir sie haben. Aber Spielerinnen wie Ivana Jorovic oder Jelena Ostapenko gehören zu den Weltbesten ihres Alters“, resümierte Waber nach dem Abstieg. „Auch in der Europa-Afrika-Zone II wird es kein Zuckerschlecken. Es sind überall gute Spielerinnen dabei, wie etwa die Estin Kaia Kanepi beweist.“ Obwohl der Abstieg als patriotischer Tennisfan natürlich weh tut, Vorwurf darf man den Damen wohl keinen machen. Denn wie das kurze Antreten von Mayr-Achleitner gegen Ungarn beweist, hätte sie für den Sieg wohl alles gegeben und dabei sogar ihre Gesundheit riskiert. Es kam einfach viel Pech auf einmal zusammen. Und auch wenn es vermutlich schwer werden wird, sich aus der Europa-Afrika-Zone II und damit aus der Bedeutungslosigkeit zu spielen, darf man das Österreichische Damentennis aufgrund des Abstiegs nicht tot reden. Denn die jungen Spielerinnen wie Haas oder Grabher können den zahlreichen Tennisfans im Land noch viel Freude bereiten. Dafür muss aber einiges im Österreichischen Tennisverband umgestellt werden. Und einige Entscheidungsträger müssen wohl ihre persönlichen Eitelkeiten ablegen …

Foto: Christof Birbaumer

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