Rot-weiß-roter Frust am Nationalfeiertag in Wien

Ausgerechnet am Nationalfeiertag … Kurz vor Mitternacht Schock in Wien! Dominic Thiem scheitert völlig überraschend im Achtelfinale der Erste Bank Open 500. Der Weltranglisten-Sechste musste sich in der mit 9200 Zuschauern ausverkauften Wiener Stadthalle dem Franzosen Richard Gasquet in zwei Stunden und 22 Minuten mit 6:4, 5:7, 1:6 geschlagen geben. Nach gutem Beginn und Gewinn des ersten Satzes verabsäumte es der Lokalmatador, entscheidend nachzusetzen. Beim Stand von 5:5 im zweiten Durchgang musste Gasquet, der mit Fortdauer der Begegnung immer besser ins Spiel fand, bei eigenem Aufschlag mehrmals über Einstand gehen, holte sich aber die 6:5-Führung. Im darauffolgenden Aufschlagspiel unterliefen Thiem bei drei übermotivierten Netzangriffen drei Fehler in Folge, die Gasquet den Weg zum Satzausgleich ebneten.

Körperliches Problem

Im Entscheidungssatz hatte Österreichs Nummer eins nichts mehr zuzusetzen – offenbar auch deshalb, weil ihm ein körperliches Problem zu schaffen machte, über das er jedoch in der Pressekonferenz nach dem Match keine näheren Angaben machen wollte. „Es gibt da ein paar körperliche Sachen, die nur ein paar Leute wissen, die sicher nicht ideal sind und die mich ein bisschen belasten. Deshalb ist heute meine Körpersprache auch nicht ideal gewesen, aber nichtsdestotrotz sollte sie nicht so negativ sein“, meinte Thiem.

„Break war nur eine Frage der Zeit“

Dass er von einer zu hohen Erwartungshaltung in Wien gebremst werde, stellte Thiem in Abrede: „Wien ist halt ein 500er-Turnier und extrem stark besetzt. Selbst wenn ich in Topform gewesen wäre, hätte eine Niederlage passieren können. Der erste Satz war noch in Ordnung, auch als Rückschläger. Ab dem zweiten Satz war ich weit weg von einem Break, habe auch als Aufschläger oft gewackelt. Da ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis man das Break kassiert. Bei 5:6 ist es halt passiert. Es hat aber jetzt keine Situation gegeben, wo der Faden gerissen ist“, analysierte der Lichtenwörther die Niederlage gegen den aktuellen Weltranglisten-32.

Novak verliert Tiebreak-Thriller

Wenige Stunden zuvor lieferte Dennis Novak vor ausverkauftem Haus dem Briten Kyle Edmund einen Kampf auf Biegen und Brechen. Am Ende hatte der Niederösterreicher nach einem zwei Stunden 56 Minuten dauernden Tiebreak-Thriller mit 6:7 (2), 7:6 (5), 6:7 (3) denkbar knapp das Nachsehen. Novak war dem aktuellen Weltranglisten-63. in einem dramatischen Schlagabtausch nicht nur ebenbürtig, sondern im Entscheidungssatz sogar einem Break näher als sein Gegner. Im Tiebreak des dritten Durchgangs unterliefen dem Österreicher jedoch unnötige Fehler, die Edmund eiskalt zur Entscheidung zu seinen Gunsten nützte.

Ein paar falsche Entscheidungen

„Natürlich überwiegt jetzt einmal die Enttäuschung. Es war so ein langes Match und so knapp. Leider habe ich im Tiebreak des dritten Satzes ein paar falsche Entscheidungen getroffen, die mich letztlich das Match gekostet haben“, bilanzierte Novak, der sich mit den in Wien eroberten 65 ATP-Punkten in der Weltrangliste von Position 284 auf einen Platz um 215 verbessern wird. Nach den Siegen über die beiden Italiener Andreas Seppi und Thomas Fabbiano, den er sowohl in der Qualifikation als auch in der ersten Hauptfeldrunde besiegt hatte, zeigte der 24-jährige Novak gegen Edmund einmal mehr, dass er mit einem Top-100-Spieler mithalten kann. Trost war das für ihn allerdings keiner.

„Stimmung war unfassbar“

„Ich wollte einfach nur das Match gewinnen. Es tut mir leid, dass ich den Fans keinen Sieg schenken konnte. Ich habe leider im dritten Satz einen Breakball nicht nützen können. Und was ich mir bei den zwei, drei Punkten im Tiebreak des dritten Satzes gedacht habe, das weiß ich jetzt noch nicht. Natürlich war ich zu Beginn vor so einer großen Kulisse etwas nervös, aber ich habe mich gut in die Partie hineingekämpft. Emotional war es unglaublich, die Stimmung war unfassbar. Was ich aus diesem Match mitnehmen kann, ist die Tatsache, dass ich mit Spielern mithalten kann, die auf Top-100- oder gar Top-50-Niveau sind“, sagte Novak.

Fotos: Samuel Thurner

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