Steirer sorgt für die optimale Bespannung der Stars

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Seit fünf Jahren besaitet der Steirer Gerald Laposa (29) bei ATP- und WTA-Turnier in Österreich, Deutschland und der Schweiz die Schläger der Profi. In diesem Jahr wird der Außendienst-Mitarbeiter der Firma Babolat bereits zum zweiten Mal auch beim Grand Slam Turnier in Paris seine Dienste anbieten. tennis-klatsch.com bat den Racket-Profi zum Interview und erhielt dabei einen beeindruckenden Blick hinter die Kulissen samt dem ein oder anderen Schmankerl.

tennis-klatsch.com: Wo hast du das Besaiten gelernt?

Gerald Laposa: In einem Sportfachgeschäft in Graz habe ich das erste Mal Schläger bespannt. Nach weiteren Stationen in der Branche habe ich aber dem Jahr 2008 bei einem Tennisspezialgeschäft gearbeitet, indem jährlich rund 6500 Rackets bespannt wurden. Seit Oktober 2010 bin ich bei der Firma Babolat angestellt und bin Besaiter bei diversen ATP- sowie WTA-Turnieren.

Bei welchen Turnieren auf der Tour warst du bereits als Bespanner im Einsatz?

Meine ersten Erfahrungen auf der Tour konnte ich bei der (vorerst) letzten ATP Seniors Champion Tour in Graz, wo zeitgleich ein Challenger stattfand, sammeln. Nach meinem Wechsel 2010 zu Babolat wurde ich sozusagen als „Einstiegsgeschenk“ für das WTA Turnier in Linz eingesetzt. Im Jahr darauf war ich das erste Mal in Kitzbühel am Start, wo ich bis heute jährlich gemeinsam mit dem Tiroler Walter Christian das Bespannservice betreue. 2013 folgte dann der erste internationale Einsatz beim ATP Turnier in Düsseldorf, welches ich 2014 leider verpasste. Allerdings durchaus aus einem erfreulichem Grund: Zeitgleich hatte ich nämlich die Möglichkeit bei den French Open in Paris erstmals bei einem Grand Slam im Einsatz zu sein. Dies war zweifellos eine unglaubliche Erfahrung für mich. Deshalb war auch die Freude riesengroß, als ich für dieses Jahr erneut eine Einladung erhielt. Da Babolat auch das Bespannservice bei den Swiss Indoors in Basel inne hat und ein Bespanner ausfiel, war ich im Vorjahr auch in unserem schönen Nachbarland im Einsatz.

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Wie läuft ein normaler Tag bei einem Turnier ab?

Leider bekommt man während eines Turniers nicht sonderlich viel von der Stadt oder der Region mit. In der Regel zählen die Bespannet zu den ersten, die das Turniergelände betreten und sind die letzten, die es am Abend wieder verlassen.

Wie werden die Spieler zugeteilt?

Natürlich werden in den ersten Runden und an den Quali-Tagen die meisten Rackets besaitet, da zu diesem Zeitpunkt noch die meisten Spieler im Bewerb stehen. Nach einem kurzen Blick auf den Raster erhält jeder Besaiter seine Spieler, welche von ihm durch das Turnier begleitet werden, oder er sucht sich diese aus. Dies ist vor allem deshalb wichtig, damit die Schläger eines Spielers stets auf ein und derselben Maschine bespannt werden und diese nicht gewechselt wird. Denn jede Maschine „zieht“ ein bisschen anders. Bei der Einteilung der Spieler wird darauf geachtet, dass nicht ein Besaiter alle Viertelfinalspieler plus womöglich die Doppelspieler betreut und ein andere bereit nach dem dritten Tag beschäftigungslos ist.

Im Vorjahr hast du dein Debüt ja bei einem Grand-Slam-Turnier gegeben. Wie viele Bespanner sind etwa in Paris im Einsatz und was ist der Unterschied zu einem „normalen“ Turnier?

Bei einem Grand-Slam-Turnier sind bis zu 20 Besaiter und Maschinen im Einsatz. Zehn weitere Personen sind für die Abwicklung (Schlägerannahme, Reinigung, Logozone, Schlägerausgabe) zuständig. Ein Grand-Slam-Turnier ist natürlich über allen anderen Turnieren zu stellen. Der Flair, das große Arial, die Menschenmenge, Bespanner aus verschiedenen Ländern und alle Topstars am Start ist natürlich außergewöhnlich. Ich freue mich aber auch jedes Jahr wieder speziell auf das Turnier in Kitzbühel, da wir dort mit unserem Bespannservice direkt am Turniergelände vertreten und nahe am Geschehen sind. In Kitz sind auch immer wieder viele Leute dabei, die gerne kurz bei uns vorbeischauen, um sich einfach Tipps fürs besaiten zu holen oder sich über die Bespannkombinationen der Profis zu erkundigen.

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Hast du einen Lieblingsspieler, für den du bespannst?

Lieblingsspieler ist schwer zu beantworten, aber wenn einer meiner Spieler gegen einen Spieler eines anderen Besaiters spielt, sind die Sympathien dann doch verteilt. Dies kann sich bei jedem Turnier aber schnell wieder ändern (lacht).

Verrätst du tennis-klatsch.com auch die ein oder andere Anekdote, die dir passiert ist?

Da gibt es zwei Momente, die ich in Erinnerung behalten habe. Bei meinem ersten Turnier in Graz standen sich im Legenden Finale Pat Rafter und Michael Stich gegenüber. Wir haben unsere Maschinen beinahe schon verpackt, als ein Ballkind mit dem Racket von Rafter zu uns kam, damit es schnellstmöglich besaitet wird. Der Australier spielte eine Monofile Saite gemischt mit einer Darmsaite und hatte nur noch genau eine Packung Darm (12 Meter reichen normalerweise für zwei Schläger Hybrid). Die Saite stammte aber vermutlich noch aus seiner aktiven Zeit, denn sie war ziemlich ausgetrocknet. Außerdem hatte es nach einem verregneten Vormittag gefühlte 40 Grad in unserem Zelt. Nicht unbedingt ideal um einen Schläger schnellstmöglich zu bespannen. Nach etwa 20 Minuten brachte ich das Racket Pat auf den Platz. Genau in diesem Moment riss bei seinem Racket die Saite und ich nahm den zweiten Schläger gleich wieder mit. Dann kam es, wie es kommen musste. Der Knoten bei der Darmsaite platzte. Das zuvor frisch bespannte Racket hatte aber keine Lust auf eine Drei-Satzpartie und so wurde via Lautsprecher vom Schiedsrichter nachgefragt, wie lange es noch dauern würde. Die Herren Stich und Rafter würden gerne weiterspielen. Nach einer fünfminütigen Unterbrechung brachte ich, unter Sonderapplaus des Publikums, Rafter sein Racket und er gewann die Partie. Pat bedankte sich anschließend nochmals für das Service.

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Zum Schmunzeln brachte uns auch ein Vorfall vor wenigen Monaten bei den Swiss Indoors in Basel. Grundsätzlich bringen Spieler die Schläger selbst zum Service, wenn das Areal noch nicht gut besucht bzw. geschlossen ist. Ansonsten kommt in der Regel der Trainer vorbei. In Basel wurde der deutsche Doppelspezialist Frank Moser von den wenigen Fans die da waren um Autogramme und Fotos gebeten. Ein wenig über den großen Andrang verwundert, kam er mit seinem Racket zu uns. Nachdem ein Kollege von mir auch um ein Autogramm bat, wollte er doch wissen, woher er diesen (für ihn) ungewöhnlichen Bekanntheitsgrad hätte. Moser wusste nicht, dass in einer Schweizer Tageszeitung an jenem Vormittag ein doppelseitiger Bericht über Roger Federer erschien, der in den 90er Jahren in der Quali Dank einiger zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen die nächste Runde erreichte. Sein Gegenüber, ein gewisser Frank Moser, verweigerte dem Schiedsrichter daraufhin die Hand und verließ verärgert den Court. Der Deutsche konnte sich erst nach Aufklärung wieder an den Vorfall erinnern und kann mittlerweile selbst darüber lachen.

Wo wirst du in naher Zukunft im Einsatz sein?

Fix eingeplant sind die French Open und das ATP-Turnier in Kitzbühel. Wahrscheinlich werde ich in diesem Jahr aber auch in Basel im Einsatz sein.

Danke für das Interview.

Fotos: Laposa

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