Thiem und das Match der vergebenen Chancen

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Der erste Sieg im Davis Cup (nach zwei Niederlagen in der Slowakei im Vorjahr) sollte für Dominic Thiem nur Formsache sein. Doch Österreichs Nummer eins muss auch nach dem Auftaktmatch in Kitzbühel gegen den Holländer Thiemo de Bakker weiterhin auf den ersten Sieg in einem Länderkampf warten. Denn völlig überraschend verlor der Schützling von Günter Bresnik in einer wahren Hitzeschlacht bei Temperaturen von über 40 Grad nach 3 Stunden und 55 Minuten in fünf Sätzen.

Nervöser Beginn beim Heim-Debüt

Vor rund 3200 Tennis-Fans begann der Niederösterreicher bei seinem Heim-Debüt in rot-weiß-rot sichtlich nervös. De Bakker, der vor zwei Jahren beim Davis Cup in Groningen bereits mit einem Fünf-Satz-Sieg gegen Jürgen Melzer aufhorchen ließ, ging gleich zu Beginn der Begegnung mit einem Break in Führung. Immer wieder hatte Thiem Chancen auf das Rebreak. Doch während die aktuelle Nummer 28 der Welt leichte Fehler produzierte, zeigte Hollands Nummer zwei in kniffligen Situationen stets seine besten Schläge. Auch ein 0:40 samt einer vierten Breakmöglichkeit im letzten Spiel des Satzes konnte Thiem nicht verwerten und so ging der ersten Durchgang zur Freude der zahlreichen „Oranjes“ mit 6:3 an de Bakker.

Niederösterreicher erzittert sich Satzführung

In Satz zwei kam Thiem besser ins Spiel. Dennoch schaffte es der „Neo-Blondschopf“ nicht, mit einem Doppel-Break davonzuziehen. Wiederum vergeigte der Kitzbühel-Finalist des Vorjahres etliche Chancen. Am Ende erkämpfte sich der Jungstar doch noch den Satzausgleich mit 6:4. Die Gegenwehr von de Bakker schien gebrochen. Denn rasch zog Thiem auch im dritten Durchgang mit 5:2 davon und hatte als Rückschläger drei Satzbälle. Die Chancen-Verwertung blieb aber miserable. Der Holländer erzwang das Tiebreak, indem Thiem trotz 0:3-Rückstand bei wahrer Länderkampf-Stimmung schlussendlich doch noch die Oberhand behielt.

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Auch ein 0:40 reichte oft nicht fürs Break

Auch im vierten Satz hatte der Österreicher die Chance vorzeitig den Sack zuzumachen. Doch erneut flatterten die Nerven. Beim Stand von 4:3 kassierte der Lichtenwörther ein Break – der Satz war damit dahin. Die Auftaktbegegnung musste damit im fünften Satz entschieden werden. Der Entscheidungssatz begann mit einem Schock für die vielen rot-weiß-roten Fans. Denn de Bakker gelang gleich zu Beginn ein Break. Thiem hatte zwar umgehend drei Möglichkeiten auf das Rebreak, musste aber wiederum mitansehen, wie sein Gegenüber alle zunichtemachen konnte. Im letzten Game wehrte Österreichs Topspieler zwar noch einmal drei Matchbälle ab, verwandelte aber wiederum keine Breakchance und musste am Ende mit 3:6, 6:4, 7:6 (5), 3:6 und 4:6 als Verlierer vom Platz gehen.

Auch mit Aufschlag und Länge unzufrieden

„Die Niederlage tut richtig weh“, gestand der Niederösterreicher nach dem Match, „ich war zu Beginn ziemlich nervös. Aber nun muss ich diese Pleite schnell wegstecken.“ Stattliche 31 Breakchancen standen am Ende zu Buche, doch Thiem konnte seinem Gegner „nur“ fünf Mal das Service abnehmen. „Leider verfolgt mich diese miserable Chancen-Verwertung schon über weite Strecken dieser Saison“, war der 21-Jährige schwer gezeichnet, „aber auch sonst habe ich einige Dinge nicht gut gemacht.“ Thiem war weder mit dem Aufschlag, noch mit der Länge in seinen Schlägen zufrieden. Lediglich die Unterstützung der Fans konnte Thiem ein wenig trösten. „Die Kulisse war einfach traumhaft – ich hätte so gerne gewonnen.“ Besonders auffallend: Während Thiem lediglich ein paar Mal die berühmte Becker-Faust zeigte und nur sich selbst hin und wieder anspornte, puschten sich de Bakker und die holländischen Schlachtenbummler gegenseitig zu Höchstleistungen. Vielleicht hat auch das über Sieg und Niederlage entschieden.

Fotos: Samuel Thurner

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