Von Nizza über Innsbruck nach Paris

Völlig überraschend holte sich der Vorarlberger Philipp Oswald mit seinem slowakischen Partner Martin Klizan den Titel beim ATP-Turnier in Nizza. Das Duo machte an der Côte d’Azur mit der auf eins gesetzten Paarung Rohan Bopanna aus Indien und dem Pakistani Aisam-Ul-Haq Qureshi mit 6-2 und 6-0 unerwartet kurzen Prozess. Das oft auch als „Friedensdoppel“ bezeichnete Gespann war von Beginn weg völlig chancenlos.

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Für Paris gerüstet

Nach dem Turniersieg in Sao Paulo Ende Februar also der zweite Triumph des Österreichers auf der ATP-Tour: „Es war nicht ganz so emotionell wie der erste Titel, aber da war das Spiel mit 15:13 im Match Tiebreak auch deutlich enger als heute. Aber ich bin schon sehr glücklich mit der Vorstellung – vor allem wenn man bedenkt, dass ich erst zehn Minuten vor Nennschluss mit Klizan als letztes Team gerade noch reingekommen bin. Eigentlich eine unglaubliche Woche“, freute sich Oswald. Sein eigentlicher Partner Guillermo Garcia-Lopez sagte nämlich am Dienstag vor einer Woche für Nizza ab. Nach zahlreichen Telefonaten stand Dominic Thiem kurze Zeit als mögliche Option bereit. Dieser sagte aber am Freitagabend wegen Krankheit ab. „Ich bin am Samstag mal zum Flughafen gefahren, weil ich zwar um 14:50 Uhr meinen Flug hatte, aber noch immer keinen Partner.“ Klizan und sein Partner Michal Mertinak waren das erste Team, das nicht direkt für das Turnier qualifiziert war. „Deshalb fragte ich Martin, ob er sich mit mir einträgt. Ich musste also bis 14:05 Uhr (Anmerkung: Nennschluss ist immer Samstag um 14 Uhr) am Gate des Flughafens warten, bis die Bestätigung vom Tour-Manager kam. Dann hatte ich gerade noch 45 Minuten vor Abflug Zeit zum Einchecken. Und jetzt haben wir einen ATP-Titel eingefahren – einfach nur geil!“ Der Lohn der anstrengenden Anreise und der nicht minder anstrengenden Arbeitswoche sind nun 11.750 Euro Preisgeld und 250 Weltranglisten-Punkte für den Österreicher: „Das war eine sehr gute Performance, und ich werde jetzt mit einem sehr guten Gefühl nach Paris reisen.“

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Keine Zeit zum Ausspannen

Wer nun aber glaubt Oswald würde sich nach dem Sieg bis zu den French Open ein paar schöne Tage machen, irrt sich gewaltig. Auf der Anlage des Innsbrucker Tennisklubs IEV stand der Vorarlberger heute Sonntag nämlich für Klosterneuburg in der 1. Herren Bundesliga auf dem Platz und zeigte gegen den Deutschen Christian Wille auch im Einzel seine Qualitäten. Fast ohne Zuschauer – die zahlreichen Tennisfans auf der Anlage des IEV konzentrierten sich mehr auf das zeitgleich stattfindende Duell zwischen dem an Nummer 1 gesetzten „Oldie“ Thomas Schießling (IEV) und dem Deutschen Dominik Meffert (KTV) – siegte der Vorarlberger souverän mit 6-0 und 6-3. Und warum dieser Stress? „Um im Final-Four in der Bundesliga spielen zu dürfen, muss man einmal im Grunddurchgang gespielt haben. Es war der einzige Termin, der in meinen Plan passte“, die simple Erklärung von Oswald.

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Hauch von Davis Cup in Innsbruck

Weil der Doppelspezialist sich im Anschluss aber bereits ins Auto setzte, Richtung Münchner Flughafen raste um von dort nach Paris abzuheben (er trifft dort in der ersten Runde mit Garcia-Lopez auf Landsmann Julian Knowle und dessen Partner Michal Mertinak), blies ein Hauch von Davis Cup durch Innsbruck. An der Seite des Tirolers Johannes Ager schwang nämlich niemand geringeres als Stefan Koubek den Schläger für Klostenneuburg. Mit einem 6-2 und 6-2 Sieg fixierten die beiden den ungefährdeten und erwarteten 9-0 Sieg der Niederösterreicher. Und warum verzichtete der Ex-Davis-Cup-Spieler auf einen Einsatz im Einzel? Die sechs anderen Spieler von Klosterneuburg sind einfach stärker eingestuft als Koubek. „Ich bin nur ein alter Joker“,  meinte der Routinier augenzwinkernd.

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Fotos: Samuel Thurner

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